Das Hörbuch des Jahres: "Carl Biebighäuser - ein edler Räuber" - Ein pralles Hörvergnügen!
Biebighäuser & Cie
Von
Frank Becker
Signalement: "Biebighäuser, von mittlerer Statur, untersetzt, hat ein
glattrasiertes und scharf markiertes Gesicht, dicke Lippen und ein stupides
Aussehen. Er ist der Häßlichste und Unansehnlichste der ganzen Bande, und nur
wenn er spricht, was sich so fließend anhört, als wenn ein sozialdemokratischer
Agitator von Profession loslegt, wenn er spricht, funkeln seine Augen und
beleben sich seine sonst so todten und matten Züge".
Carl Biebighäuser hat wirklich gelebt, gestohlen, eingebrochen, geraubt.
Geboren war am 3. Dezember 1842 in Barmen, gestorben ist er am 18. Mai 1900
daselbst. Der Sohn einer Hasplerin, der selber im Wupper- Tal den Beruf des
Färbers erlernte, wurde in den 1870er Jahren zu einem Briganten, zum im
Volksmund und den Gazetten idealisierten Verbrecher in der Tradition eines
Goethe´schen Götz von Berlichingen, eines Robin Hood und Schinderhannes des
beginnenden Industriezeitalters, der allerdings wie seine Kumpane recht gut von
seinen Beutezügen lebte, wiewohl er vieles Geraubte den Armen gab.
"Biebighäuser & Compagnie" nannte er mit einer gewissen Chuzpe
seine wohlorganisierte Diebes- und Räuberbande, mit der er unter den Kaufleuten
und Pfeffersäcken der Region zwischen Barmen und Neviges, Eberfeld, Schwelm und
Altena Schrecken verbreitete. "Visite" nannten sie die Einbrüche und
Raubzüge, und die Auseinandersetzung mit der Polizei, wobei mitunter auch
Kugeln pfiffen, scheuten die Halunken nicht. Es war eine schmutzige,
bedrückende Stadt, dieses Barmen der Mitte des 19. Jahrhunderts, als kein
Tropfen klaren Wassers mehr im Flüßchen Wupper zu finden war, weil die
Färbereien und die Eisenbahn ihre Abwässer und Aschen ohne jede Rücksicht
einleiteten. Rudolf Herzog beschreibt das eindrücklich in seinem Roman
"Die Wiskottens", aus dem Text auszüge verwendet werden. Einige
Bürger hatten sehr viel Geld und dadurch Macht, viele andere hatten nichts. Auf
einem solchen Boden konnte die Legende vom edlen Räuber prächtig gedeihen.
Biebighäuser wurde mehrfach festgenommen, verurteilt, ins Gefängnis
eingesperrt, gar ausgewiesen. Doch aus dem fernen Amerika kam er schließlich
nach Barmen zurück, wo er den Rest seines Lebens als Gemüsehändler verbrachte.
Der Schauspieler Olaf Reitz hat die recht skurrile, wenn auch durchaus
handfeste Geschichte des Räubers Biebighäuser
aus Unterlagen der Archive von Stadt und Historischem Zentrum zu einem höchst
unterhaltsamen und bestens recherchierten Hörspiel verarbeitet, für dessen
Umsetzung er einerseits einige der besten Sprecher, zum anderen eine Vielzahl
prominenter Wuppertaler Bürger für Nebenrollen gewinnen konnte.
So hören wir auf der CD die Stimmen von u.a. Peter Jung (Oberbürgermeister),
Hans Kremendahl (ehemaliger Oberbürgermeister), Dr. Gerhard Finckh (Direktor
des Von der Heydt-Museums), Monika Heigermoser (Leiterin Kulturbüro), Dietmar
Bell (ver.di-Geschäftsführer), Peter H. Vaupel (Vorstandsvorsitzender der
Stadtsparkasse), Dr. Johannes Slawig (Stadtkämmerer) und Petra Lückerath
("die börse"). Dirk Raulf hat gesungen und ich habe mit wachsendem
Vergnügen mittlerweile dreimal das ganze Hörspiel angehört. Selten wurde ein so
lebendiges, humorvoll-realistisches Portrait einer Zeit und einer Person in
einer solch schwierigen Zeit geschaffen. Sicher auch für jeden historisch
interessierten Hörer in anderen Teilen Deutschlands ein Genuß.
Ach ja: die Musik! Tim Buktu trägt mit der zum Hörbuch kreierten Musik einen
wesentlichen Teil zum perfekten Gelingen bei. Neben den Erzähler-Stimmen Caroline
Keufens und Olaf Reitz´ das dritte Fundament fürs Gelingen dieses prallen
Hörvergnügens. Für mich das Hörbuch des Jahres 2008 und mit einem Musenkuß eine
Empfehlung der Musenblätter-Redaktion!
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Cover: Maurycy
Bergische Geister
Carl Biebighäuser - Ein edler Räuber
Hörbuch
Produziert von Tim Buktu & Olaf Reitz
(P) + © 2007 Manufaktur Media
Es sprechen:
Caroline Keufen - Erzählerin
Paul Decker - Carl Biebighäuser
Olaf Reitz - Erzähler der historischen Quellen
Krippendorf - Reinhard Schiele
Musik: Tim Buktu
Gesamtspieldauer: 51:40
Weitere Informationen unter:
www.bergischegeister.de
Eine
Biebighäuser-Lesung mit Caroline Keufen und Olaf Reitz wird am 26.0.08,
ab 19.00 Uhr im Wuppertaler Restaurant "Kornmühle", Warndtstraße zu
hören sein.
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