|
Achim Reichel
Volxlieder
Volkslieder entstaubt - geht doch!
Von
Frank Becker
Im
Jahr 1972 ließ Achim Reichel mit seiner kongenialen Vertonung und
Interpretation der "Regenballade" von Ina Seidel aufhorchen, mit der
die Radiosender in den verregneten, düsteren Stunden dieses Herbstes
ihrem begierig dem Schnatermann lauschenden Publikum Schauer um Schauer
den Rücken
hinunter jagten. Das war die Geburtsstunde einer neuen Karriere des
deutschen Rockmusikers, der 1960/61 mit Herbert Hildebrandt, Volker
Reinhold und Dieter Sadlowsky eine der erfogreichsten Beat- und
Rockbands der 60er Jahre gegründet hatte: die "Rattles". Erfolge wie
"LaLaLa", "C´mon
And Sing" und vor allem "The Witch" sind legendär.
Als
er 1966 zum Bund mußte, existierten die Rattles noch ohne ihn in zehn Formationen mit Musikern der Faces, der
German Bonds, der Rivets, Randy Pie etc. bis zur Auflösung 1977 weiter. Dann war Schluß.
Achim Reichel hatte nach einem Intermezzo bei Wonderland längst eine
ambitionierte Solo-Karriere gestartet, die mit dem Album "Regenballade"
und Shanties eine völlig neue Hinwendung zur Musik und großes Talent
bewies. Er gründete die Produktionsfirma Gorilla Musik, bekam 1983 den
Preis der deutschen Schallplattenkritik für "Nachtexpress" und ließ
1988 mit Herbert Hildebrandt, Dicky Tarrach und Henner Hoier und
dem Album samt Show "Hot Wheels" noch einmal die Rattles aufleben. Aber
vorbei ist vorbei. 1990 verließ er nach dem Album "Painted Warrior" die
Rattles und machte solo weiter.
Alben wie "Heiße Scheibe", "Blues in Blond", "Wilder Wassermann" , "Was Echtes" und "100 % Leben" markieren den Weg. Nun also "Volxlieder".
Reichel greift mit viel Überlegung in den unerschöpflichen Vorrat
an Volkspoesie und ihrer bekannten Vertonungen, gibt hie und da ein
wenig musikalischen Pfeffer hinzu, nimmt ein Tränchen weg und ersetzt
es durch eine Mischung aus Fatalismus und Lebensklugheit. Das
bekommt den meisten der wohl jedem bekannten Liedern recht gut, denkt
man z.B. an das Titel Stück "Der Rosenmund", das Achim Reichel frei
nach Johannes Brahms als munteren Country- Song mit Bluegrass-
Elementen umgeschrieben hat. Er hat sich dazu einer Elite von an
klassischen Zupf-, Streich-, Schlag- und Blasinstrumenten erfahrenen
Musikern versichert, die sein Konzept der Neuerfahrung volkstümlicher
deutscher Melodien im internationalen Kontext routiniert und ideenreich
umsetzen.
Franz Schuberts Lied vom Lindenbaum (Am Brunnen vor dem Tore) kommt als
muntere Cajun- Tanzmelodie daher, das schwarz-rot-goldene
Revolutionslied (in diesen traditionsreichen Farben sind auch Digipack
und Booklet gehalten) "Die Gedanken sind frei" atmet den optimistisch
freiheitsdurstigen Geist der Lützowschen Freikorps, und mit "Hohe
Tannen", "Im schönsten Wiesengrunde" und "Leise zieht durch mein Gemüt"
erweist Reichel in seinem 63. Jahr der Heimat auf eine Art und mit
einem Klang mal ganz andere, zumal glaubhafte Reverenz, als das
Volkslieder- Monopolist Heinz Georg Kramm bislang tat. Dem "Röslein auf
der Heiden" tut ein wenig Groove ganz gut und der alpenländisch
angehauchte Sound für Wilhelm Heys "Weißt Du wieviel Sternlein
stehen" erweist sich in dem mitunter auch düstere und rauhe Töne
anschlagenden "Volxlieder"- Album ("Der Mond ist aufgegangen",
"Oh wie ist es kalt geworden") ebenfalls als durchaus verträglich.
Texte und Noten finden sich zum Mit- oder Nachsingen im Booklet. Mal
beim Musikunterricht der Schulen berücksichtigen - vielleicht kommt
dann wieder Interesse am deutschen Liedgut auf.
Das Album erscheint am 18. August 2006, die deutschlandweite "Volxtour" startet am 15.9.06 in Uelzen.
Ihre
Meinung
Schreiben Sie uns einen Leserbrief
(Veröffentlichung vorbehalten)
|

Achim Reichel
Volxlieder
Achim
Reichel - Gitarren, Dobro, Mandoline, Bandoura, irische
Bouzouki, E-Bass, Morenga, Bongos, Melodica, Hammond-Orgel, E-Piano,
Loops/Samples/Programmierung
Gesang
Frank Wulff - Nyckelharpa, Celesta, Flöten, Gitarre,
Waldzither, E-Bow, Monochord, Drehleier, Mandola, Mandoline Schalmei,
Harmonium, Chorgesang
Berry Sarluis - Akkordeom, Cembalo, Flügel, Hohner D 6, Hammond Orgel, Fender Rhodes, Chorgesang
Pete Sage - Violine, Mandoline, 12-saitige Akustik-Gitarre, Akkordeon, Chorgesang
Uwe Granitza - Kontrabass, E-Bass, Tuba, Posaunen
Helge Zumdieck - Schlagzeug, Percussion
Stoppok - 5 Saiten Banjo (1)
Piet Abele - Piano (12)
Produktion von Achim Reichel
© 2006 TANGRAM - Achim Reichel Musikproduktion
Titel-Liste:
1. Der Rosenmund 3:35
2. Der Lindenbaum (Am Brunnen vor dem
Tore) 2:32
3. Die Gedanken sind frei 2:38
4. Hohe Tannen 3:09
5. Im schönsten Wiesengrunde 4:02
6. Kein Feuer, keine Kohle 2:40
7. Der Mond ist aufgegangen 3:10
8. Oh wie kalt ist es geworden 3:38
9. Röslein auf der Heiden 2:28
10. Leise zieht durch mein Gemüt 2:41
11. Du liegst mir (im Herzen) 2:53
12. Die Ballade von den Königskindern
5:18
13. Weisst Du wieviel Sternlein stehen
3:13
14. Ich bün Kock, segt he 2:53
15. Hammonia 2:34
Gesamtzeit: 47:56
Weitere Informationen unter:
www.achim-reichel.de
www.abgemacht.com
|