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The Celtic Tenors

"...a cool new territory for tenors..."

Von Stefan Schmöe

Schonungslos schwappt seit etlichen Jahren die Tenor-Welle über die Musikwelt hinweg (eine Welle, die sich freilich als ziemlich seicht entpuppt), und ein Ende ist nicht abzusehen. Im Gefolge der big three, die jenseits ihres künstlerischen Zenits, aber immer noch vergleichsweise gut bei ihren Ausnahmestimmen mit künstlerisch zwar nicht immer über jede Kritik erhabenen, aber am Markt erfolgreichen Potpourris ihre Gagen kräftig aufbessern, versuchen poppige Trios - drei Sangesbrüder an der Zahl müssen es offenbar immer sein - sich ihren Teil vom Tenorkuchen abzuschneiden. „Jung“ scheint dabei das Zauberwort zu sein, mit dem sich in der Opernszene eher unbedeutende Gestalten von den bei Puccini und Verdi etablierten Platzhirschen absetzen wollen, und der Angriff auf den guten Musikgeschmack wird gern und oft mit schwer verdaulichem Kitsch geführt - aber wo die Quote stimmt, hat des Sängers Feingefühl gelegentlich zu schweigen.

The Celtic Tenors nennt sich das Trio, das von EMI ins Feld geschickt wird. Die Herren Matthew Gilesan, Niall Morris und James Nelson wollen, glaubt man ihrem Marketing-Konzept, nicht nur jung sein, sondern den Tenorgesang am liebsten völlig neu erfinden, und die Lieblingsvokabel des Booklets ist „cool“: a cool new territory, a cool new sound, und selbst der Manager der drei ist cool. Da man beim Anhören der CD nicht unbedingt den Eindruck erhält, diesen Tenören stünde die große Opernwelt weit offen, ist die Distanzierung vom Establishment nachvollziehbar. Immerhin darf man dankbar sein, dass sich die Celtic Tenors, vielleicht auch im Bewusstsein ihrer ziemlich kleinen Stimmen, das sonst obligate Wettknödeln um das hohe C versagen. Statt dessen ist „crossover“ angesagt: Alles, was irgendwie keltisch klingt und im weitesten Sinne volksmusikalisch zwischen Schottland und Irland pendelt (oder zumindest so tut), ist gefragt.

Zumindest stellenweise hat das auch seinen Reiz, denn die keltischen Barden haben zwar nicht den angekündigten völlig neuen, aber immerhin einen nicht unangenehmen Klang, und hin und wieder werden kurz tatsächlich fremde Musikwelten erschlossen - etwa in der witzigen Spanish Lady oder im von der Drehleier begleiteten Beginn von Bhéir mi ó. Leider aber überwiegt dann doch immer wieder Allerweltsgedudel im symphonischen Gewand, und pathetische Heimatverlorenheit und tränenseliger Weltschmerz behalten die Oberhand: „Ireland, Ireland“ schallt es schaurig-poppig über die zum bloßen Zierrat degradierten Instrumente der Volksmusik und die ästhetische Schmerzgrenze des Hörers hinweg. Das Irish Film Orchestra unter der Leitung von Frank Gallagher liefert Sentiment nach Wunsch, und je mehr sich die CD ihrem Ende zuneigt, desto süßlicher und klebriger wird der keltische Klangbrei. Das Neue und das Coole, das hat die umbarmherzige Tenorwelle auch hier schnell beiseite gespült.


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Cover



The Celtic Tenors

Tracks:
1. Caledonia
2. Spanish Lady / Marie's Wedding
3. Danny Boy
4. Summer of my Dreams
5. Fare thee well, love
6. The Quiet Land of Erin
7. Bhír mi ó
8. In the Gloaming
9. Ireland's Call
10. The Last Rose of Summer
11. Will ye go, lassie, go
12. Remember me / Recuérdame


The Celtic Tenors:
Matthew Gilesan
Niall Morris
James Nelson

Irish Film Orchestra
Ltg.: Frank Gallagher


Aufnahme: Juli/ August 2002
EMI 7243 5 57048 2 5





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