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Musiktheater BERLIN
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Susannah


Musical Drama in zwei Akten

von Carlisle Floyd

in englischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Premiere an der Deutschen Oper Berlin am 8. Februar 1997
Rezensierte Vorstellung am 19. Mai 1997

Besetzung
Rezension
Fazit
weitere Aufführungen


Von Tilman Lücke, Berlin.



Besetzung

Musikalische Leitung: Marie Jeanne-Dufour
Inszenierung: John Dew
Kostüme: José-Manuel Vazquez
Bühne: Thomas Gruber
Choreinstudierung: Hellwart Matthiesen
Choreographie: Donna Perilli

Susannah Polk			-	Karan Armstrong
Sam Polk, ihr Bruder		-	Stefano Algieri
Olin Bitch, ein Wanderprediger	-	Desmond Byrne
Little Bat McLean		-	Richard Markley

Die Kirchenältesten:
McLean				-	Lenus Carlson
Gleaton				-	Peter Maus
Hayes				-	Clemens Bieber
Ott				-	Josef Becker

Mrs. McLean			-	Mariana Cioromila
Mrs. Gleaton			-	Lucy Peacock
Mrs. Hayes			-	Catherine Gayer
Mrs. Ott			-	Barbara Scherler
Fiddler				-	Reinhold Wolf
1. Mann				-	Paul Gibson
2. Mann				-	Mark Grütt
Orchester der Deutschen Oper Berlin
Chor der Deutschen Oper Berlin
Statisterie



50er Jahre-"Remortal"
John Dew richtet Floyds Susannah an der Deutschen Oper Berlin



"Etwas mehr Differenzierung hätte ich mir schon gewünscht", mahnte Götz Friedrich, Intendant der Deutschen Oper, kürzlich die Medienvertreter - im Zusammenhang mit der weitgehenden Vernichtung der Produktion Susannah i n der Kritik. Mit dieser Kollegenschelte als geistiger Hypothek machte sich der OMM-Redakteur auf, um die letzte Vorstellung der Susannah in dieser Spielzeit zu sehen und zu hören.

Susannahs Geschichte ist schnell erzählt, es genügen Stichworte: Floyd verbindet (1955) den apokryphen Zusatztext zum Buch Daniel mit Millers Schauspiel Hexenjagd. Susannah, ohnehin Outsider in einer sittenstrengen Gemeinde, wird von den Kirchenältesten beim Nacktbad gesehen, der Verführung von Little Bat (Sohn des Kirchenältestem) geziehen und vom charismatischen Wanderprediger und Aufhetzer Olin Bitch (!) nicht bekehrt sondern verführt - dieser erkennt ihre Unschuld / seine Schuld zu spät und wird von Susannahs Bruder erschossen. Susannah erwehrt sich des dräuenden Gemeindepogroms mit dem Gewehr als Drohung in der Hand.

Durchaus also ein Stoff, der allerlei Perspektiven auf die Gegenwart eröffnet, wenn auch die Motive zuweilen zu bunt gewürfelt erscheinen...
Dew und sein Team: Es inszeniert paradox. Einerseits sind seine Zeichen deutlich und selbsterklärend bis zum Erbrechen, gleichzeitig bleiben sie unverbindlich bis zur Beliebigkeit. Dieser geistige Mangel, diese inszenatorische Mutlosigkeit findet sic h gleichermaßen in der Ausstattung der Bühne (Gitterstäbe allerorten; Monitore mit abgefilmten Augen, die sich blinzelnd der Szenerie bemächtigen) wie in der Choreographie (Abwendung der Gemeinde / Chöre von Susannah, zeichenhaft es Zeigen des Fiddlers mit dem Bogen auf Susannah / zum Himmel) bis hin zur Beleuchtung (rot verfärbt sich der Bühnenbach, als die Leiche des Predigers verblutet). Ja, Mister Dew, diese Zeichen haben wir verstanden. Aber muß eine an tiquiert wirkende Oper so antikisierend inszeniert werden? Vielleicht ein genialer Schachzug - wer weiß, ob man die Staubschicht, die Floyds Oper heute umgibt, so sehr bemerkt hätte, wenn nicht hemmungslose (falls man das so sagen darf) Prüderie die Szene beherrscht hätte. Denn staunen d sieht man die vorzüglich spielende und wandelbar singende Karan Armstrong als Susannah hinter einem Paravent (!) verschwinden um zu baden; hinter ihm erlebt auch der Prediger das Ende seines gottesfürchtigen Lebens; die Verführung der Sus annah findet gar abseits der Bühne statt und wird nur durch verrutschte Kleidung angedeutet.

Musikalisch ist das Werk nichts weniger als originell. Die Interpretation des Orchesters der Deutschen Oper unter Marie Jeanne-Dufour schien mir recht gelungen; die sentimentalen bis kitschigen Stellen waren gerade noch erträglich. Herausragend in je der Hinsicht die Chöre.

Was die schauspielerische Aktion betrifft: In den Holzschnitten, die an Stelle von Charakteren präsentiert werden, konnte kaum bemerkenswert agiert werden - vielleicht am auffälligsten die konsequente Darstellung des schuldlos-schuldigen Naivli ngs Little Bat durch Richard Markley.

Fazit

Eine Inszenierung, die mit musikalischem Können eine schlechte Oper als schlecht erweist - was vielleicht nicht das Schlechteste ist.


Weitere Aufführungen

Erst wieder
März 1998 (!) : 12., 21., 28.


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