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Konzert des Orchesters der Deutschen Oper Berlin am 13. Mai 1997

Immerhin: Nicht viele Zuhörer "nur wegen Brahms" gekommen

Boris Blacher: Concertante Musik op. 10
Paul Hindemith: Konzert für Orgel und Orchester Nr. 2
Johannes Brahms: Sinfonie Nr. 4 e-Moll op. 98

Martin Haselböck, Orgel
Orchester der Deutschen Oper Berlin
Leitung: Rafael Frühbeck de Burgos


Von Tilman Lücke, Berlin

Eines kann man immerhin zugunsten des Berliner Publikums sagen: An diesem Abend waren nicht Viele nur wegen Brahms gekommen. Nein, Viele waren überhaupt nicht gekommen und so musizierte das vorzüglich aufgelegte Orchester der Deuts chen Oper in einem kaum zu einem Drittel gefüllten Schauspielhaus am Gendarmenmarkt. Die - endlich! - sommerliche Wärme mag wohl den Einen oder Anderen eher nach draußen gezogen haben als hierher. Auch die Programmkonzeption dürfte n icht ganz unschuldig sein, weil sie nicht unbedingt publikumsorientiert war: Die Lähmung des Schubert-Jahres hat nicht verhindern können, daß Johannes Brahms heuer 100 Jahre tot ist. Die Chancen, seine Sinfonien demnächst noch üb erall immerzu hören zu können, stehen also so gut, daß bestimmt Mancher den vermeintlichen Anstrengungen der Moderne in Form der Werke Blachers und Hindemith aus dem Weg gehen zu können glaubte....

Hindemith und Blacher stehen dabei ganz am Anfang der "Verletzung der Konvention" (so Zdenka Weber in ihrem klugen Programmheft-Beitrag "Geschichtlichkeit und Aktualität") in der Musik unseres Jahrhunderts - sie versetzen vergleic hsweise nur winzige bis größere Nadelstiche für die Ohren. Blachers Concertante Musik wurde bei der Uraufführung 1937 (noch ein runder Geburtstag!) stürmisch bejubelt - und auch 1997 kam die elfminütige Miniatur gut a n. Das Orchester beherrschte die stark rhythmisierten Sequenzen souverän, winzige Unsicherheiten in der Koordination zwischen Streichern und Bläsern trübten den Gesamteindruck kaum.

Rafael Frühbeck de Burgos legte auf solche Details vielleicht nicht immer genügend Aufmerksamkeit, konzentrierte sich mehr auf die Dynamik der Orchestergruppen. Zum vorletzten Mal dirigierte der scheidende GMD in dieser Funktion das Orchester im Sinfoniekonzert (sein letzter "sinfonischer" Auftritt als GMD ist Verdis Requiem am 22. / 26.6.); mit großer Spannung und Routine gleichermaßen.

Noch aus seiner Zeit als Chefdirigent der Wiener Symphoniker kennt er den Organisten Martin Haselböck, der in der Augustinerkirche der Donaumetropole Kirchenmusikdirektor ist. Haselböcks Interpretation von Hindemiths zweitem Orgelkonzert wollte sich an diesem Abend erst nicht recht mit den Orchesterklängen mischen; erst in den fulminanten Ausbrüchen am Ende des ersten Satzes - "Crescendo" - fanden Solist und Orchester wirklich zusammen. Das sperrige Werk wurde im weiteren Ve rlauf zwar sicher gemeistert; in den ruhigen Passagen aber nicht immer spannungsreich.

Voller Spannung und voller Energie begann Frühbeck Brahms' e-Moll-Sinfonie. In einer durchgehend interessanten und zum Teil sogar überraschenden Interpretation wurde unter seinem Dirigat das eröffnende Allegro non troppo ganz zum St reben und Sehnen; das Konzept ging auf, weil die enorme Kompetenz der Musiker - vor allem der Streichergruppen - sie auch in den fugenartigen Teilen die Übersicht bewahren ließ. Im zweiten Satz wurde Frühbecks Fähigkeit gefordert, die Streicher in die Schranken zu weisen - nur unter seiner kräftigen Mithilfe konnten sich die Holzbläser einigermaßen behaupten. In den Fanfaren des Allegro giocose bewiesen Dirigent und Ensemble Ruhe und kraftvolle Übersicht. I m abschließenden Allegro energico e passionato schien mir wiederum das Gewicht zwischen gestrichenem und luftumströmten Holz problematisch; vielleicht spielte hier auch die (mangels Zuschauern veränderte) Akustik des Schauspielhause s eine Rolle.

Insgesamt aber ein wundervoller Abend:sommerliche Frische lag in der Luft des Gendarmenmarktes und in der Interpretation eines Werkes hanseatischer Strenge.

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